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6. Januar 2008

"Geschlagen ziehen wir nach Haus, die Enkel fechten´s besser aus"

Spätestens mit der Entdeckung Amerikas im Jahre 1492 und dem damit beginnenden gigantischen Wirtschafts- und Handelsaufschwung, dem auch bald eine ungeahnte moderne Form der Kapitalanhäufung folgte (erinnert sei an die Augsburger Bankiersfamilien der Fugger und Welser), war die "finstere Zeit" des Mittelalters vorbei und die moderne Zeit des Frühkapitalismus hatte begonnen.

Wie immer in Zeiten des gesellschaftlichen Umbruchs taten sich große Widersprüche zwischen der Produktion und der Aneignung gesellschaftlicher Reichtümer auf. Zunächst begehrten die Stützen der alten Gesellschaft, die Ritterschaft, auf. Männer wie Franz von Sickingen, der sich "als Schützer der Schwachen und Hüter des Rechts" sah, oder Ulrich von Hutten vertraten eine alte Ordnung. Sie versuchten ihren Platz in der neuen Gesellschaft zu behaupten. Es kam zu Aufständen, die bald niedergeschlagen waren.

Gleichzeitig ereigneten sich bereits zum Ende des 15.Jahrhunderts eine ganze Reihe mutiger lokaler Bauernerhebungen (genannt sei hier vor allem Joß Fritz und seine "Bundschuh"- Vereinigung), denen größerer Erfolg zunächst jedoch versagt blieb. Erst das Fanal der Reformationsideen Martin Luthers von 1517 verlieh der allgemeinen Unzufriedenheit gegenüber staatlichen und kirchlichen Herrschern größte Verbreitung. Als dann noch der aus begütertem Hause stammende Wanderprediger Thomas Müntzer seine Forderungen erhob, dass die Armen auch schon auf Erden ein Recht auf ein besseres Leben hätten und dass es ihr Recht sei sich gegen Ausbeutung durch weltliche und kirchliche Herren zur Wehr zu setzen, war das massenhafte Aufbegehren nicht mehr zu stoppen.

Ein Zentrum des bäuerlichen Aufstandes, dem sich auch ehemalige Ritter, der bekannteste ist wohl Florian Geyer, anzuschließen begannen, war Südwest- Deutschland. Diese Phase gipfelte in der Erklärung der 12 Artikel vom März 1525. Unter dem Motto "dem christlichen Leser Fried und Gnad Gottes durch Christum" wurden im wesentlichen folgende Forderungen erhoben:

Aufhebung der Leibeigenschaft, Einschränkung(!) der Frondienste, Recht auf freie Jagd, Fischfang und Holzeinschlag (d.h. Wiederherstellung des Allmendrechtes), freie Wahl und Abwahl des Pfarrers und einiges mehr, was einem gedeihlichen Gemeinwohl zugute gekommen wäre.

Dass sich diese Artikel wie ein Lauffeuer trotz der damals äußerst schwierigen Kommunikationsverhältnisse verbreiteten, lässt ihre aktuelle Brisanz erahnen. An diesem Punkt tritt auch unsere Bliesgauregion in die Geschehnisse der damaligen Zeit ein.

Im Spätfrühling 1525 bildeten sich sowohl im Elsass als auch in der Region des heutigen Bliesgaus mehrere "Bauernhaufen", die sich bald unter dem Namen "Herbitzheimer Haufen" formierten. (Ob hierbei das deutsche oder französische Herbitzheim gemeint ist, darüber geben die Quellen keine letztendliche Auskunft.)

Tausende Bauern aus den Gemeinden Altheim, Medelsheim, Peppenkum, Auersmacher, Habkirchen, Eschringen, Bliesransbach, Gersheim, Seyweiler (das heutige Ortswappen trägt noch immer die Erinnerung!), Blieskastel und Ommersheim verbündeten sich mit den Lothringern aus der Rohrbacher Gegend und besetzten die Stadt Zabern (Saverne). Wenige Tage später mussten sie sich jedoch der Übermacht des Söldnerheeres des Herzogs von Lothringen ergeben.

Im Vertrauen auf das "Ehrenwort" des "hohen" Herrn erhofften sie sich als Unbewaffnete freien Abzug, 18000 von ihnen wurden jedoch gnadenlos niedergemetzelt

Ganz ähnlich war auch die Entscheidungsschlacht in Frankenhausen/Thüringen verlaufen. Kaum einer der Aufständischen entkam dem Blutbad. Sämtliche Anführer, wie etwa der legendäre Thomas Müntzer, wurden bestialisch ermordet.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass dieser Aufstand der "Gosse", dieses "Lumpenpacks", auch vom einstigen Inspirator Martin Luther schändlich verraten wurde. Dafür legt seine Hetzschrift "Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern" beredtes Zeugnis ab: Man solle die "treulosen, meineidigen, ungehorsamen, aufrührerischen Mörder, Räuber und Gotteslästerer... erwürgen wie tolle Hunde."

Ebenfalls nicht unerwähnt soll bleiben, dass sich die größten Künstler der damaligen Zeit wie Albrecht Dürer und der Holzschnitzer Tilman Riemenschneider, dem man anschließend aus Rache sämtliche Hand- und Fingerknochen brach, auf die Seite der Aufständischen gestellt hatten.

Fazit:

Die Herrschenden hatten ihr Ziel vorerst erreicht, von deutschem Boden sollten nie wieder Aufruhr und Widerstand ausgehen! Ob das Stillehalten dem "gemeinen Mann" genutzt hat, wird der Blick auf die nächste Episode der deutschen und europäischen Geschichte, den Dreißigjährigen Krieg, zeigen!  

 

 

Quellen der Darstellung:

- Wilhelm Zimmermann, Der große deutsche  Bauernkrieg

- Friedrich Engels, Der deutsche Bauernkrieg

- Artikel der Saarbrücker Zeitung aus den Jahren 2004 und 2007 

 

Dieter Geis