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7. Januar 2008

"Menschliches Elende"

So überschrieb der barocke Dichter Andreas Gryphius eines seiner bekannten Gedichte über die Schrecken des 30-jährigen Krieges. 

Nach fast hundert Jahren "Friedhofsruhe" hatte es in Deutschland und Europa wieder zu gären begonnen. Die Welt sollte neu aufgeteilt werden! 

War dies nun ein "Religions- bzw. Konfessionskrieg" um den rechten Glauben? 

Oder ging es vielmehr um die religiös verbrämten Interessen der Großmächte, die sich ihren "gerechten" Anteil am damals bekannten Teil der Welt sichern wollten? 

Der Journalist und Schriftsteller Bernt Engelmann gibt darauf eine verblüffende und ungewöhnliche Antwort (die im folgenden auszugsweise wiedergegeben werden soll): 

"Man muss ihn sich als einen mörderischen Kampf zwischen Gangster-syndikaten vorstellen, der von korrupten Politikern und miteinander um ein unerhört einträgliches Monopol ringenden multinationalen Großkonzernen geschürt, mitgelenkt und nach Kräften ausgenutzt wird. Im Vordergrund stehen die nackten Machtinteressen der sich befehdenden angsterbosse, die ihre Revolvermänner aus der Unterwelt eines ganzen Kontinents rekrutieren.

In wechselnden Bündnissen, mal mit-, mal gegeneinander, ... machen sie sich gegenseitig ihre Domänen streitig ... Und der Schauplatz des wilden, rücksichtslosen Kampfes ist, sagen wir, eine Weltstadt, in der viele Millionen Menschen leben.

Stellen wir uns also diese...Großstadt samt ihrer Umgebung vor, wie sie zunächst - es ist ja noch nicht viel passiert - ihr Alltagsleben in gewohnter Weise fortsetzt... 

In den Zeitungen steht (plötzlich), in einem Bürohaus im Osten der Stadt seien zwei irektoren des mächtigen Hinz-Konzerns, wahrscheinlich von Agenten der Kunz-Gruppe aus einem Fenster im dritten Stock geworfen worden, aber glücklicherweise kaum verletzt" (der berühmte Prager Fenstersturz, Anm.).

Am nächsten Tag heißt es bereits, dass Scharen von Unterweltlern aus der halben Welt in der Stadt eingetroffen seien; man befürchtet Bandenkämpfe, denn die Gangster gehörten verschiedenen, miteinander verfeindeten Organisationen an und hätten mit den Ganoven der Stadt, aber auch mit der Handelskammer und der Polizei, über Mittelsmänner Kontakt aufgenommen. Nun beginnt sich Angst in der Stadt auszubreiten, wenn auch noch keine Panik... Bislang konnte sich jeder kleine Ladeninhaber, Gastwirt oder Handwerker vor Ungemach dadurch bewahren, dass er regelmäßig an alle, die ihn bedrohten, gerade noch erträgliche Summen Geldes abführte... 

Ja, und dann geht es los. Plötzlich stürmen 40 bis 50 schwer bewaffnete Ganoven - man spricht von einer Wiener Zuhälterbande... (den Habsburgern, Anm.) - in das hochfeudale Inter-Plaza-Hotel, dringen zunächst in den riesigen Speisesaal ein und verbarrikadieren...alle Fenster des Erdgeschosses. Einen alten Herrn, der nicht schnell genug die Hände erhoben hat, als die Gangster dies von allen mit entsicherten Maschinenpistolen fordern, schlagen zwei Kerle mit Kolbenhieben tot. dann sammeln sie von den zitternden Gästen und Kellnern alle Wertsachen ein, erschießen dabei einen Mann, der einen wertvollen Ring zu verstecken suchte, tauchen einen anderen mit dem Kopf in eine dampfende Suppenterrine, als er verhindern will, dass seiner auffallend hübschen Frau Kleid und Wäsche vom Leib gerissen werden. Während drei Ganoven die Gäste und das Personal mit Schnellfeuerwaffen in Schach halten, wird die Frau gefesselt und, nackt wie sie ist und entsetzlich schreiend, von einem halben Dutzend Kerlen auf ein Sofa in der Halle geschleppt; später findet man ihre fürchterlich zugerichtete Leiche.

Inzwischen ist draußen vor dem Hotel eine halbe Hundertschaft Polizei zum Sturm angetreten ... Der Angriff dieser Ordnungskräfte wird von den Gangstern nach heftigem Kampf zurückgeschlagen ...

Dann greifen die Polizisten und ihre Helfer von neuem an, diesmal von allen Seiten und auch über die Dächer der Nebengebäude. Bei dem zweistündigen wilden Gefecht wird das ganze Hotel verwüstet und als endlich die Gangster sämtlich vertrieben, getötet oder gefangen genommen sind, da kommt ein Rausch über die Sieger, denen die befreiten Gäste und Angestellten im ersten Glücksgefühl ihrer Rettung viel Wein und Sekt spendiert haben...,vergewaltigen auch ihrerseits mehr als ein Dutzend Frauen und zwingen die ausgeraubten Gäste mit vorgehaltener Pistole, ihnen hohe Schecks auszuschreiben - zur Belohnung für die Rettung." 

Als dann die von vielen herbeigesehnte "Nordpolizei" (die schwedischen Truppen unter Gustav Adolph, Anm.) ins Spiel kommt, wiederholt sich die Szenerie entsprechend. 

Als man sich nach Jahrzehnten endlich einig wird - bis dahin mussten noch Hunderttausende ihr Leben lassen(!) - dass dieser Kampf von keiner der "Parteien" zu gewinnen ist, schließt man endlich den"Westfälischen Frieden". 

Das "Heilige Römische Reich deutscher Nation" hatte faktisch aufgehört zu existieren! 

Die Folgen der Verwüstung hatte wieder einmal der "gemeine Mann" (und nicht zu vergessen "die gemeine Frau"!) zu tragen, waren doch ganze Bereiche unserer Region komplett entvölkert. 

Die folgende, unvollständige Bilanz kann nur eine ungefähre Ahnung der durch wirtschaftliche, staatliche und kirchliche Interessen angerichteten Verheerung in unsrer heute so beschaulichen Region wiedergeben:   

 

- Niederwürzbach war völlig zerstört (immerhin lebten 1698 wieder 63 Personen im Ort) 

- Ommersheim, Oberwürzbach und Heckendalheim waren 1651 völlig menschenleer! 

- Wittersheim und Bebelsheim waren fast völlig zerstört 

- Ormesheim hatte den Krieg relativ gut überstanden; immerhin lebten noch neun Familien im Ort 

- Sankt Ingbert wurde 1637 durch Brand völlig zerstört 

- in Blickweiler gab es noch zwei Familien 

- in Blieskastel waren 1651 vier Familien, drei Pferde und eine Kuh am Leben (!) 

- selbst Saarbrücken hatte 1637 nur noch 70 (!) Einwohner 

 

Quellen der Darstellung:

 

Bernt Engelmann, Wir Untertanen

Die Grafen Von der Leyen, Ausstellungskatalog, 1991

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Dieter Geis