„Das Ziel von Bildung ist die Herausbildung freier Persönlichkeiten, der Erhalt und die Prägung von Menschenwürde, Chancengleichheit. Bildung ist ein Menschenrecht und kein Marktinstrument.“ (Weltkongress der Bildungsinternationale)
Zahlreiche Studien der vergangenen Monate und Jahre, seien es IGLU, Familienatlas, PISA, Kinderreport Deutschland, etc. bringen konservative Bildungsvorstellungen ins Wanken. Die Schieflage beim Bildungserfolg nach dem Motto „Herkunft gleich Zukunft“ (beispielsweise belegt die IGLU-Studie, dass Kinder aus finanzschwachen Verhältnissen sowie Migrantenkinder weitaus bessere Leistungen bringen müssen um eine Gymnasialempfehlung zu bekommen, als Kinder aus wohlhabenden Akademiker-Elternhäusern) überschattet den saarländischen Status quo. Die eklatante Bildungsbenachteiligung ärmerer und ‚bildungsferner’ Schichten wird spätestens dank dieser wissenschaftlichen Untersuchungen bewusst. Sie und die tagtäglichen Missstände, die Kinder und Jugendliche durch die saarländische Bildungspolitik erfahren, müssen zum Anlass genommen werden, das derzeitige Schulsystem hin zu mehr Innovation und Chancengleichheit zu verändern.
Die LINKE an der Saar ist angetreten, um eine andere Bildungspolitik zu eröffnen und für eine andere Gesellschaft zu kämpfen. Erforderlich ist eine grundlegende Bildungsreform, die sie und mit ihr Eltern, SchülerInnen, WissenschaftlerInnen und VertreterInnen von Gewerkschaften schon lange Zeit fordern.
Dringend notwendig sind jetzt konkrete Schritte, um der strukturellen Benachteiligung von Kindern und ihren Familien entgegenzuwirken und Maßnahmen gegen materielle Not und Bildungsarmut zu ergreifen.
Bildungsbedingte Ausgaben der benachteiligten Schichten müssen durch die staatliche Hand übernommen werden. Kostenlose, öffentliche, steuerfinanzierte Kindertagesstätten öffnen die Tür in eine bildungspolitische Chancengleichheit.
Folgend birgt der Übergang in die Grundschule weitere finanzielle Hürden in sich:
Die Grundausstattung eines Erstklässlers beläuft sich, nach den Berechnungen des DGB, ohne die Schulbücher auf 193,53 €. Für Kinder, die in Haushalten leben, die mit Hartz IV auskommen müssen ist dies eine unleistbare Summe. Die Einführung der Lernmittelfreiheit an Schulen, kostenlose Angebote zur Nachhilfe in den Ganztagsschulen, sowie Gutscheine um zum Schuljahresbeginn entstehende Kosten für Bücher, Hefte, Stifte, Zirkel und Taschenrechner zu decken, sind dringend geboten. Die kostenlose Bereitstellung von gesundem Essen in KITA und Schule fördert die gesunde Lebensweise der Kinder und bereitet so die Grundlage für Konzentrations-, Lern- und Leistungsbereitschaft. Solche (finanzielle) Maßnahmen sind notwendig um zu ermöglichen, Kinder und Jugendliche aller Schichten zum höchstmöglichen Schulabschluss zu bringen.
Gut ausgebildetes Personal und kreative Köpfe sind das größte Potential eines jeden Bundeslandes im wirtschaftlichen Wettbewerb und müssen daher konsequent gefördert werden. Bedauernswerterweise hat das Saarland zur Zeit die geringste Zunahme an Studienanfängern mit minus 3,1 Prozent.
Es muss sichergestellt werden, dass auch die Kinder von Eltern mit geringem Einkommen die Hochschulen besuchen können. Daher lautet eine der zentralsten Forderungen: Weg mit den Studiengebühren! Durch die Einführung von Studiengebühren wurden die bereits jetzt sozial bedingt ungleich verteilten Bildungschancen nicht nur zementiert, sondern noch weiter verschärft. „Begabung“ darf nicht vom Einkommen der Eltern abhängig sein.
Wer die Zukunft gewinnen will, muss in die Ausbildung der Jugend investieren.
Yvonne Ploetz
Bildungspolitische Sprecherin der Linksjugend [’Solid] Saar