Trefflicher konnte man den Ort zur Gründung einer landesweiten Arbeitsgemeinschaft „Brauereikultur“ nicht wählen. Bierbach liegt nur etwa 4 Straßenkilometer vom
Blieskasteler Verwaltungszentrum entfernt, inmitten einer der schönsten Auen und Waldlandschaften des Saarlandes. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Bliestalgemeinde im Jahre 1230 n. Chr. als Pferdewechselstation saarländischer
Tempelritter. Am 7. Juni, dem Fronleichnamstag 2007 wurde hier, in der Gaststätte „Zur Kupferkanne“ von Mitgliedern der Partei „Die Linke-Saar“ die wohl bedeutendste, mit
Sicherheit aber die Mitgliederstärkste, landesweite Arbeitsgemeinschaft in ihrer Parteigeschichte, die „LAG Brauereikultur“ gegründet. Um 17.00 Uhr sollte es losgehen. Um 14.00 Uhr waren bereits sämtliche Zufahrtstraßen
nach Bierbach total verstopft. Überall schwitzende und irritierte Vertreter der Ordnungsmacht, denen der Überblick über das real existierende Verkehrschaos abhanden gekommen war. Zahlreiche Fernsehteams, Vertreter internationaler
Printmedien und Nachrichtenagenturen mussten von Hilfskräften über Feld und Waldwege zum Versammlungsort geleitet werden. Mit PKW, Bussen, Schubkarren und
auf Fahrrädern fielen sogar Pfälzer in die liebliche Bliestalgemeinde ein. Sie hatten angeblich gehört: „Freibier für alle – Oskar Lafontaine gibt Einen aus“.
Mangelwirtschaft herrschte zunächst am Versammlungsort. Es fehlten Tische und Stühle.Eine Fensterbank knarrte verdächtig unter der Last der schwergewichtigen Hintern, dreier Experten für Brauereikultur. Solidarische Einwohner Bierbachs halfen jedoch gerne den Mangel an Sitzgelegenheiten zu beseitigen. Stühle und Sessel aus der „gudd Stubb“ wanderten an diesem denkwürdigen Nachmittag in die Kupferkanne. Jugendlichetransportierten ein Sofa und eine Hollywoodschaukel zum Tatort des Tages. Unter
Polizeigeleit bahnte sich ein überladener Schwertransporter mit schäumendem Gerstensaft den Weg zum Bierkeller der hoffnungslos überfüllten Gaststätte. Noch nie in
seiner Geschichte hatte Bierbach einen derartigen Menschenauflauf erlebt. „Es ist ein Treiben wie bei einer Papstaudienz“, so ein Bierbacher Original in das Mikrophon eines Reporters aus Übersee. Das eigens aus Philadelphia angereiste, weltberühmte „Beer wind orchestra“ (neudeutsch:
BierFurz-Orchester) intonierte vor dem Bierbacher Bahnhof ein großes Schunkel und Trinkerlieder-Potpurri. Max Flabbes, der größte zeitgenössische Thekenphilosoph des
Saarlands gratulierte im Namen der Saar-Linken der Bierbacher Gemeinde während einer Orchesterpause zu ihrem 777jährigen Bestehen. Die Jährung wird natürlich vom 29.06.bis 01.07.2007 keineswegs mit Bierruhe, sondern mit echt saarländischem „Schmackes“, wie es sich für ein Jubiläum mit Schnapszahl gehört, gefeiert.
„Politik ist unser Bier“
Lediglich mit einer knappen Stunde Verspätung, für Linke immerhin fast noch pünktlich, eröffnete der Zeremonienmeister der Saar-Linken dann die
Gründungsversammlung der „Arbeitsgemeinschaft Brauereikultur“. Seine feingehopfte Bierfahne war noch in den hinteren Reihen deutlich zu genießen
und man konnte ihm ansehen, dass die bevorstehenden Aufgaben ihn mehr voll, als ganz in Anspruch nehmen werden.
„Politik ist unser Bier“, mit diesen Worten begrüßte Zeremonienmeister Thomas Lutze die Vollversammlung der Brauereiapostel und Jünger. Als Ehrengäste waren anwesend der Generaldirektor des staatlichen russischen
Brauereikonzerns „Roter Oktober“, Oleg Zappansky.
Die saarländische Sommerlochakadmie war vertreten durch Vulgaris Ypsilante Gräfin von der Leyen-Gollenstein, sowie durch den bierpolitischen Sprecher der Akademie, Horst-Hicks, Freiherr von Schluckauf. Als Kirchenvertreter waren anwesend:
Don Isidoro Promillo, der Abt des Klosters Monte Vino, und Don Camillo Lambrusco, als informelle Mitarbeiter seiner Heiligkeit des Pontifex maximus.
Besonders herzlich begrüßteThomas Lutze den Großhumpendorfer Bürgermeister Edgar Lump und seine Gattin Elfriede, in ihrer Heimatgemeinde
besser als „La Rabiata“ bekannt. Lutze bezeichnete Edgar Lump einen Säulenheiligen der saarländischen Brauerei und Humpenkultur, der es wie ein echter Templer versteht, dem Gerstensaft zu huldigen. Bürgermeister Edgar Lump dankte der linken Biergemeinschaft und lud die Ordensbrüder
und Schwestern der traditionsreichen Brauereikultur zu einem Wochenendseminar das unter dem Motto steht: „Den Abkippwinkel für Pils und Weizenbier richtig errechnen“, nach Großhumpendorf an die obere Saar ein. Weiter regte Edgar Lump an, auf dem Schaumberg bei Theley, der mit 569 Metern höchsten Erhebung des Saarlandes, eine schäumende Kultstätte für saarländisches Bier zu errichten.
Dann kam die Linke nieder und das Bier-Baby wurde geboren
Wer jetzt erwartet hatte an einer knochentrockenen Parteiversammlung, mit Formalien und den ansonsten durchaus üblichen Debatten über die Sitzordnung, die Rednerfolge, die Einführung einer Frauenquote und die Frage, braucht diese LAG einen Geschäftsführer oder gar einen Generalsekretär, teilzunehmen sah sich positiv überrascht. Zwar zeigte sich die Wahl einer Protokollführerin, ein unbeliebtes Ehrenamt das gerne Frauen aufgenötigt wird, etwas schwierig, denn es stellte sich knallhart heraus das die Frauen der Linken emanzipiert sind und sich keinerlei Ehrenämter aufnötigen lassen.
Das war´s aber auch schon an formellen Ritualen. Die Arbeit kam rasch in Gang. Der Vorschlag unverzüglich zu einer Qualitätskontrolle der nördlichsten Brauerei der Welt, der Mack-Brauerei im norwegischen Tromsø aufzubrechen und auf der Rückreise dem Braumeister der südlichsten Brauerei der Welt im chilenischen Punta Arenas einige gute Ratschläge zu erteilen, fand allgemein großen Anklang. Sobald die Finanzierung steht, soll es losgehen. Die Linke währe nicht die Linke, wenn nicht auch noch die schäumenden Entwicklung Kubas auf dem Programm stehen würde. Hier soll die „Cervecería Bucanero und ihre Produkte vom Wissensstand der saarländischen Brauereiexperten profitieren.
Natürlich bekannte sich die LAG Brauereikultur, wenn auch nur mit knapper Mehrheit, zum deutschen Reinheitsgebot von 1516. Die Geschichte der saarländischen Brauereilandschaft soll unter die Lupe genommen werden, ebenso die der Nachbarregionen. Mit einer Spende des ebenfalls anwesenden Bundestagsabgeordneten der Linken an der Saar, Hans Kurt Hill endete der offizielle Teil des Gründungsaktes. Hill spendierte der neugegründeten LAG Brauereikultur 100 EURO, zweckgebunden, damit das Gründungsprotokoll auf feinstem Papier gedruckt, mit Goldrand versehen und in Rindleder gebunden für die Ewigkeit erhalten werden kann. Nahtlos ging der offizielle Teil in den Gemütlichen über. Bei Redaktionsschluss war noch völlig unklar, wann dieser sein Ende fand.